KINOMARKT
FILMAUSWAHL
Neue Filme sind Bilder, die zu spezifischen Verwandlungserlebnissen
einladen: „Komm, mach dich stark und kämpfe gegen die Übermacht der
Maschinen!“ „Begib dich auf die Reise durch Ungewisse und wachse über
dich hinaus!“ „Gib alle vertrauten Wertungen und
Selbstverständlichkeiten auf und schau, was dann geschieht!“ Weil die
Kinogänger solche typischen Erlebnisse suchen, geben sie in Befragungen
auch regelmäßig an, dass ihnen bei der Filmauswahl Story und Inhalt sehr
viel wichtiger sind, als zum Beispiel Schauspieler, Spezialeffekte oder
die Erreichbarkeit des Kinos.
Zwischenschritte
Marketing
Wie kommen Menschen aber dazu, einen bestimmten Film im Kino zu
sehen? Auf welchen Wegen findet ihre Entscheidung statt und welche
Zwischenschritte spielen dabei eine Rolle? Das wichtigste Moment ist der
Anreiz, der von einem neu gestarteten Film ausgeht: Filme laden zu
Verwandlungen ein. Damit sich daraus ein Kinobesuch ergibt muss jedoch
eine Bereitschaft vorhanden sein, überhaupt ins Kino zu gehen.
Weniger als 30 Prozent der Bundesbürger nutzen es regelmäßig zur
Unterhaltung. Als weitere Filter kommen schon bestehende Vorlieben
für Inhalte, Genres oder andere Aspekte ins Spiel.
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Anreiz |
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Bereitschaft
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Enttäuschungsrisiko
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Abstimmen
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Kino-
besuch |
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Vorlieben |

Überprüfen |

Tagessituation |
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Weil mit dem Kinobesuch ein nicht unerheblicher Aufwand verbunden ist,
gehen die Kinogänger ein Enttäuschungsrisiko ein. Ist der Film
schlecht, kann er ihnen den ganzen Abend verderben. Daher überprüfen
sie in der Regel ihre Auswahl und ziehen dazu unterschiedliche Quellen,
z.B. Zeitungen, Zeitschriften, Internet und Empfehlungen, heran. Bevor
aber die Entscheidung wirklich getroffen werden kann, müssen sie sich
mit ihren Begleitpersonen abstimmen. Und schließlich kann ihnen
noch die Tagessituation, in Form von augenblicklicher Stimmung
oder Ausgehwetter, einen Strich durch die Rechnung machen und die
getroffene Wahl noch einmal in Frage stellen.
Dem Einfluss des Enttäuschungsrisikos kann man auf Dauer nur
mit guten Filmen und ehrlichen Kampagnen entgegenwirken. Die
Zwischenschritte Abstimmen und Tagessituation lassen sich
nicht steuern. Das Marketing kann aber über die vier anderen
Zwischenschritte in den Prozess der Filmauswahl eingreifen. Erstens,
indem es über die Wahl des Werbeumfelds gezielt solche Menschen zu
erreichen sucht, die eine Bereitschaft haben, das Kino zu
besuchen. Es kann zweitens seine Kampagne auf Zielgruppen ausrichten,
deren Vorlieben bekannt sind. Drittens kann das Marketing auf
diejenigen Informationsquellen Einfluss nehmen, die von den Kinogängern
zum Überprüfen ihrer Wahl herangezogen werden. Der vierte und
wichtigste Hebel aber ist die Anreizvermittlung. Ohne starken Anreiz
lassen sich die Menschen nicht dazu bewegen, ins Kino zu gehen. Und ein
wirklich überzeugender Anreiz kann manchmal Menschen ins Kino holen, die
es sonst niemals betreten.
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ZIELGRUPPEN
Mit jedem Film ist eine Wirkungswelt gegeben, die den einen mehr anzieht
als den anderen. Nicht jeder folgt dem Ruf von Terminator: „Rüste
dich auf im Kampf gegen die Übermacht der Maschinen!“ Und nicht jeder
erlebt die komplizierte Verschränkung fragiler Lebensformen in The
Hours als einladend. Nur wenige Produktionen, wie beispielsweise
Titanic oder Herr der Ringe, werden von allen Altersgruppen und
von beiden Geschlechtern in gleichem Maße gesehen.
Wie bilden sich Zielgruppen
l
Frauen und Männer
Altersgruppen
Bestimmung von Zielgruppen
Häufig wird davon ausgegangen, die Menschen wählten Filme mit
Protagonisten ihres eigenen Alters und Geschlechts. Mit dieser
Faustregel kann man sich auf dem Markt ein Stück weit bewegen, aber sehr
weit kommt man damit nicht. Um die Einschätzung auf sichere Füße zu
stellen, zieht die Filmwirkungsanalyse eine andere Vergleichsgrundlage
heran.
Es hat sich gezeigt, dass vor allem die mit einem Film gegebene
Erlebnisverfassung darüber entscheidet, ob er von jüngeren oder
älteren, von Männern oder Frauen bevorzugt gesehen wird. Filme bilden
spezifisch getönte, psychische Verfassungen aus. Je nachdem, wie sich
ihre Erlebniswelt anfühlt, welche Geschwindigkeit sie hat, wie komplex
oder kompliziert sie ist, welche Tiefenthematik sie belebt und in welche
Wendungen sie einbezieht, sind unterschiedliche Menschen dazu bereit,
sich auf sie einzulassen. Die einen wollen es einfach, die anderen eher
komplex. Die einen wollen von einer Attraktion zur anderen gleiten und
distanziert bleiben, die anderen möchten von einem stringenten Werk
gefesselt und tief berührt werden.
Traditionelle Geschlechtsrollen wurden von der wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten in Frage
gestellt. Im Alltag wird heute von Männern durchaus die Übernahme
„weiblicher“ Rollensegmente verlangt oder es wird erwartet, dass auch
Frauen ihren „Mann stehen“. Wenn man die Filme herausfiltert, die in den
vergangenen fünf Jahren am häufigsten entweder von Frauen oder von
Männern gesehen wurden, zeichnen sich Vorlieben der Geschlechter ab, die
den traditionellen Männer- und Frauenbildern dennoch entsprechen. Wie
die untenstehenden Beispiele der vergangenen Jahre zeigen, sehen Männer
gerne Action- und Horrorfilme und bevorzugen Frauen Liebesdramen und
Liebeskomödien.
Favoriten von Frauen
- Natürlich blond (2003)
- Manhattan Love Story (2003)
- Mona Lisas Lächeln (2004)
- Bridget Jones – Am Rande
des Wahnsinns (2004)
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Favoriten von Männern
- Terminator III (2003)
- Kill Bill Vol. 1 (2003)
- Aliens vs. Predator (2004)
- Kill Bill Vol. 2 (2004)
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Ob ein Film eher von Frauen oder von Männern gesehen wird,
entscheidet sich vor allem auf der Ebene der Tiefenthemen. Viele Männer
sind auf Kinoerlebnisse aus, die durch unberechenbare
Zerstörungsszenarien hindurchführen oder bei denen tragende Ordnungen
ins Wanken gebracht und mit physischem Einsatz wieder hergestellt
werden. Frauen suchen demgegenüber nach Filmstorys, in denen die wahre
Liebe den Sieg erringt oder in denen sie etwas über die kniffligen
Probleme leidenschaftlicher Liebe erfahren können. Auch interessieren
sich Frauen für Geschichten, in denen sich ihre Geschlechtsgenossinnen
aus Fesseln befreien und gesellschaftliche Vorurteile durchbrechen.
Ob ein Film ein eher älteres oder jüngeres Publikum hat, entscheidet
sich auf einer anderen Ebene. In der westlichen Kultur wollen junge
Menschen durch die vielfältigen Unterhaltungsangebote reisen, ohne von
ihnen zu stark eingebunden oder zu tief bewegt zu werden. Sie wollen vor
allem Spaß haben, man kann auch sagen, sie wollen durch die Wirklichkeit
gleiten. Dementsprechend suchen Kinogänger bis etwa Mitte 20 Jahren
bevorzugt nach Filmen, die das Gleiten weiterführen und
zuspitzen. In drastischen Komödien, alltagsfernen Horrorfilmen und
Thrillern kommen sie auf ihre Kosten.
Favoriten der Jüngeren
- 2 Fast 2 Furious (2003)
- American Pie III (2003)
- Scary Movie 3 (2004)
- Girls Club – Vorsicht bissig (2004)
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Favoriten der Älteren
- Luther (2003)
- Frida (2003)
- Kalender Girls (2004)
- Die Kinder des Monsieur Mathieu (2004)
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Ältere Menschen sind durch die nicht immer leichte Schule des Lebens
hindurchgegangen und haben erfahren, wie aufwändig und schwer das Leben
sein kann. Sie wollen es ruhiger, sind aber auch auf vertiefte Erlebnisse
aus. Gerne lassen sie sich auf Filme ein, die sie stark berühren und in
denen sie etwas über die Mühen von Entwicklung erfahren können. Die oben
angegebenen Filme kommen ihrer Erwartung entgegen.
Zielgruppen von Filmprojekten lassen sich von uns auf dem Hintergrund
langjähriger Forschung bestimmen. Verleiher, Werbetreibende oder
Produzenten können sich bei Filmwirkungsanalyse Expertisen einholen.
Dieser Artikel enthält Auszüge aus der FFA-Studie
Filminhalte und Zielgruppen 4 – Generalisierungen und Tendenzen zum
Verständnis der Zielgruppenbildung im Kino. Wirkungspsychologische
Analyse der GfK-Paneldaten der Jahre 1998-2002 von Januar 2004. Die
Studie kann als PDF-Datei herunter geladen werden.
Dr. Dirk Blothner I
fon 49 221 418223 I
blothner@filmwirkungsanalyse.de I www.filmwirkungsanalyse.de